#69 Alexander Neuhäuser: Frühjahrskonjunkturumfrage - Politische Unsicherheit bremst das Elektrohandwerk

Shownotes

In dieser Folge der E-Show sprechen Max Herrmannsdörfer und Sascha Brakmüller mit Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, über die Ergebnisse der ZVEH-Frühjahrskonjunkturumfrage 2026. Die Zahlen zeigen eine weitere Eintrübung der wirtschaftlichen Lage im Elektrohandwerk: Der Geschäftsklimaindex ist auf 65,6 Punkte gefallen – der niedrigste Stand seit über 15 Jahren. Auftragspolster schrumpfen, insbesondere langfristige Vorläufe gehen zurück, und auch bei der Beschäftigungsentwicklung macht sich Zurückhaltung bemerkbar. Die allgemeine Wirtschaftskrise, eine schwächelnde Baukonjunktur sowie rückläufige Umsatzanteile in Neubau, Sanierung und Erneuerbaren setzen der Branche zu.

Gleichzeitig wird deutlich: Das Elektrohandwerk bleibt ein Zukunftsgewerk – doch politische Unsicherheiten bremsen Investitionen. Neuhäuser kritisiert fehlende klare energiepolitische Leitplanken und warnt vor Verunsicherung durch die Debatte rund um das Gebäudemodernisierungsgesetz. Für Innungsbetriebe heißt das: strategisch handeln, Beratungskompetenz stärken und an Zukunftsfeldern wie Energiemanagement, Elektromobilität, Digitalisierung und Gebäudesystemintegration festhalten. Auch auf der Light + Building 2026 will der ZVEH genau diese Themen in den Fokus rücken – inklusive Einblicken in KI-Anwendungen und moderner Ausbildung.

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Max Herrmannsdörfer: Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der E-Show. Ich bin Max Hermannsdörfer und heute wieder als Co-Moderator an Bord, Sascha Brackmüller von WhatsApp. Hallo Sascha. Hallo Max. Sascha und wir schauen heute gemeinsam auf die brandneue ZVEH Frühjahrskonjunkturumfrage. Das machen wir aber nicht zu zweit, sondern mit einem Gast bei uns im Podcast. Alexander Neuhäuser ist bei uns. Er ist Hauptgeschäftsführer des ZVEH. Hallo Alexander. Ja, hallo. Grüße euch und freut mich, dass wir zusammen sind. Ja, danke, dass du dir die Zeit nimmst. So kurz nach Veröffentlichung der Umfrage, kurz als zeitliche Einordnung. Heute ist der 25. Februar. Die Umfrage kam am gestrigen Dienstag raus. Und wenn man die Pressemitteilung durchliest, dann merkt man sehr schnell Es sieht nicht ganz so rosig aus in den Elektrohandwerken. Wie ist denn deine Einschätzung zur aktuellen wirtschaftlichen Lage? Ja, das stimmt leider, dass wir weiter eher eine negative Entwicklung sehen. Vor allem unser Geschäftsklimaindex, der darüber natürlich immer eine Aussage fällen soll, fällt quasi auf ein 15-Jahrestief mit 65,6 Punkten. Und nachdem wir eigentlich bei der Herbstumfrage eine leichte Erholung hatten und damit so ein bisschen ein Hoffnungsschimmer sahen, der hat sich leider nicht bewahrheitet, dass der sich umsetzt. Wir sehen die Verstetigung der Negativentwicklung. Allerdings, das muss man auch sagen, ohne einen kompletten Abriss, so wie es zum Teil in anderen Branchen sichtbar ist. Wir gehen gleich auf so paar Teilbereiche dieser Umfrage näher ein. Da aber dieser Geschäftsklimaindex vielleicht nicht jedem ein Begriff ist und nicht jeder genau weiß, was setzt sich da überhaupt wie zusammen, kannst du das einmal ganz kurz erklären, welche Faktoren spielen da rein? Ja, also der Geschäftsklimaindex setzt sich zusammen aus dem Geschäft der Vergangenheit und den Geschäftserwartungen, kann man sagen. Und ist ein übliches Verfahren, das auch volkswirtschaftlich hinterlegt ist, mit dem man

Max Herrmannsdörfer: durch Kombination verschiedener Faktoren versucht, dass die Stimmung und die wirtschaftliche Lage in einer Branche abzubilden. Und der ist jetzt auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Ich glaube, wenn man die Corona-Phase mal rauslässt, ist das schon ein Alarmsignal. So würde ich das als Laie einmal sehen. Woran liegt das? Kann man das an einfachen Gründen festmachen? Also zunächst mal muss man sagen, dass es seit 15 Jahren eigentlich nur bergauf ging bei uns im Geschäftsklimaindex. Wir hatten sogar mal Zeiten, da war der noch schlechter als heute. Da muss man zurückgehen in die 2005er Jahre. Und selbst in der Corona-Zeit war er aber nicht so schlecht, wie er jetzt ist. Auch da hatten wir natürlich vor allem durch die Stimmung, der manch einer interessiert. Erinnert sich noch daran, dass da natürlich viele Sorgen ausgebrochen sind. Nicht alles davon hat sich im Elektrohandwerk bewahrheitet. Wir hatten eigentlich eher konjunkturelle Sonderphase, aber selbst da war er nicht so niedrig, wie er heute ist. Das heißt, wir sehen tatsächlich eine Verfestigung der schlechten Situation, obwohl wir in einem Gewerk sind, von dem wir überzeugt sind, dass es Zukunft hat, dass es die ganzen Geschäftsfelder der Zukunft bedient. Aber auch das Elektrohandwerk kann sich nicht von der gesamtwirtschaftlichen Lage abkoppeln und Das sehen wir ja in den tagtäglichen Meldungen, dass es da aktuell nicht rosig aussieht. Also es ist ja gerade eigentlich ja auch vor der Gemengelage, dass wir ja eigentlich eine Energiewende zu bewältigen hätten und dass wir halt auch eigentlich ganz ganz viele Themen, gerade auch bei der Elektromobilität haben. Wo würdest du denn da genau die Knackpunkte sehen, warum wir mit so einem Bedarf am Elektrohandwerk eigentlich nicht die PS auf die Straße kriegen aktuell? Also vorher ging es ja eigentlich ganz gut los, aber jetzt stockt es ja. Ja, das ist wirklich so. Prinzip aus der Sicht des Elektrohandwerks hat man die Entwicklung kaputt gemacht, die bisher sehr positiv waren, die richtige Richtung ging. Wir haben die Energiewendethemen angefasst, das Thema Elektromobilität, Infrastrukturausbau vorangetrieben, Photovoltaik, Infrastrukturausbau vorangetrieben. Auch das Thema Wärmepumpen ist ein Geschäftsfeld, das im Elektrohandwerk gewachsen ist über die letzten Jahre.

Max Herrmannsdörfer: sogar jetzt noch mal leicht gewachsen ist. Und es gibt zwei Gründe, die man sagen kann, warum wir jetzt diese Negativentwicklung sehen. Das ist zum einen die gesamtwirtschaftliche Lage. Wenn es einer Automobilindustrie in Baden-Württemberg nicht gut geht, wenn es einer Chemieindustrie im Osten nicht gut geht, dann fehlen auch Aufträge für das Handwerk. Dann investiert niemand in die elektrische Infrastruktur, Anlagen werden nicht gewartet und das schlägt sich bei uns natürlich nieder. Das sind Faktoren, die wir auch nur begrenzt im Griff haben. Das hängt zum Teil auch mit der Weltwirtschaft zusammen, das wissen wir auch, aber es hängt natürlich auch damit zusammen, dass diese positive Stimmung in Deutschland, also das Investitionspaket noch nicht richtig angekommen ist, das die Bundesregierung angekündigt hat und das ist zusammen ein großer Bereich. Der zweite große Bereich ist aber die Verunsicherung über die Energiewende. Es gab in der letzten Legislaturperiode immer klare Signale auch an die Investoren, in welche Richtung es geht. Man hatte, auch wenn es umstritten war, klare Rahmenbedingungen, die auf Zukunft gesetzt waren, auf einen Umbau der elektrischen Infrastruktur, auf mehr erneuerbare Energien, auf eine Wärmewende und diese Themenfelder werden jetzt durch die Bundesregierung abgekündigt. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Stimmungslage, die Investitionen. Das beste Beispiel sind jetzt die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes, die auch wieder für viele Verunsicherungen sorgen werden. Das zusammengenommen sind, glaube ich, die Hauptfaktoren, gesamtwirtschaftliche Lage und insbesondere Unklarheit bei der Energiewende. Bevor wir gleich mal auf die politische Gemengelage gehen. Ihr habt ja auch die Zahlen zum Auftragsvorlauf bekannt gegeben. Wie ist da die Entwicklung im Moment? Ja, wir untersuchen eben den Auftragsbestand als ganz wichtigen Indikator, wie es der Branche geht. Das ist bei uns so geclustert. Wir haben zum Beispiel aktuell Auftragsvorläufe, Betriebe, die Auftragsvorläufe von zwei Wochen melden.

Max Herrmannsdörfer: sind 13,7 Prozent. Das waren im Vergleich zum Frühjahr 2024, also vor zwei Jahren, waren das nur 9,2. Das heißt, der Teil der Betriebe, bis zu zwei Wochen haben, der steigt. Dafür sieht man deutlich bei Unternehmen mit einem Auftragsvorlauf von über vier Monaten einen Rückgang. Das heißt, wir hatten 24 im Frühjahr, fast 29 Prozent der Unternehmen, mehr als vier Monate Auftragsvorlauf gemeldet haben. Das sind jetzt nur noch 21 Prozent der Unternehmen. Wenn man jetzt die beiden Werte mal nimmt, dann sieht man, die kurzfristigen steigen und die langfristigen gehen zurück. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass eben weniger Aufträge im Elektrohandwerk landen. Und man muss ja auch hier sehen, das sind langfristige Effekte. Also beispielsweise bei Baugenehmigungen ist es so, wenn die jetzt nicht erteilt sind, dann wird auch in der nächsten Zeit nicht gebaut, weil auch der Baubereich immer einen längeren Vorlauf hat. Das heißt, wir wissen heute schon, dass jetzt die Konjunktur nicht sofort wieder anspringen wird, auch wenn es immer noch Hoffnung gibt, dass es zum Ende 26 besser wird. Weniger Aufträge heißt weniger Arbeit für die Betriebe, heißt im Umkehrschluss vielleicht auch weniger Personal, eingestellt werden muss. Ist ja auch immer ein Indikator, den ihr abfragt in eurer Umfrage. Wie sieht es mit den Beschäftigten aus in den Betrieben? Und ich glaube auch da gibt es eher tendenziell einen negativen Trend. Ist das so Alexander? Ja Max, ist so. Tatsächlich das Elektrohandwerk ist ein sogenannter Mangelberuf. Das heißt, über die letzten Jahre gab es eine starke Verknappung im Bereich der Mitarbeiter. Viele Unternehmen haben Mitarbeiter gesucht und grundsätzlich ist das auch heute noch so. Aber die Zahl der Unternehmen, die offene Stellen melden, ist doch schon jetzt deutlich zurückgegangen. Wir hatten in der Vergangenheit, so in der Zeit der 20 bis 23 bis zum Frühjahr 23, immer so die 60 Prozent der Betriebe, offene Stellen gemeldet haben. Wir liegen jetzt bei 46 Prozent und haben

Max Herrmannsdörfer: seit dem Frühjahr 2023 stetig sinkende Betriebe die offene Stellen melden. Das heißt, die Betriebe fragen nicht mehr so viel Mitarbeiter nach, auch wenn es immer noch Betriebe gibt, die sagen, wir brauchen noch Leute. Und was wir jetzt von den Unternehmern hören, ist, dass sie in der jetzigen Lage sich umorientieren. Das heißt, wenn sie vorher dauernd Mitarbeiter gebraucht haben und auch viele Mitarbeiter am Arbeitsmarkt eingestellt haben, die vielleicht auch mal nicht so qualifiziert waren, wie man das gebraucht hat, sucht man natürlich jetzt nur noch die Leute, die wirklich passen auf die Stellen und lässt eben auch mal Bewerber ziehen. Das zeigt sich natürlich auch in den Arbeitsmarktzahlen. Auch Menschen haben es dann wieder schwerer, mit geringerer Qualifikation überhaupt in Arbeit zu kommen. Das heißt, da sind viele Folgen. Gewerk sich so entwickelt, dann wie bei uns, das eigentlich ein Boom-Gewerk ist, dann können auch bestimmte Transformationseffekte nicht mehr passieren. Man nimmt dann zum Beispiel auch aus Industrien, die vielleicht aktuell Fachkräfte ein- und freisetzen, nicht mehr so gerne jemanden, der nicht so gut passt und erstmal wieder eingearbeitet werden muss, sondern man sucht nur noch die, die hundertprozentig auf das Profil passen. Das klingt jetzt natürlich schon etwas trüb, was auch die Zukunft angeht. Ihr fragt ja auch die Zukunftserwartung ab. Wie spiegelt sich das da wieder? Genau, das ist ein ganz wichtiger Faktor auch immer, dass wir sagen, wie bewertet ihr eure gegenwärtige Geschäftslage. Und das ist tatsächlich so, dass natürlich der Teil, die sagen, es ist schlecht, größer geworden ist und die sagen, dass es gut ist, ist weniger geworden. Und das setzt sich ein Stück weit für die Zukunft fort. Also wir haben Wenn man jetzt auf die zukünftige Geschäftslage blickt, haben wir ungefähr 22 Prozent, die sagen, es wird schlechter und 17 Prozent nur, es wird besser. Da rechnen wir immer so ein Saldo aus. Das heißt ungefähr 5,5 Prozent Saldo. Und das ist immer ein wichtiger Faktor. Wir hatten in der Vergangenheit da ganz klar Betriebe, die gesagt haben, es wird in Zukunft besser werden. Und die waren mehr als die, die gesagt haben, es wird schlechter.

Max Herrmannsdörfer: Das hat sich eben jetzt gedreht, wobei auch der Teil sagen, es wird schlechter eher zunimmt. Jetzt ist ja die Tage das Gebäudemodernisierungsgesetz in der Diskussion. Kann das Impulse setzen fürs Gewerk? Wie ist da so der Stand der Dinge? Was weißt du? Und wo sollte die Reise hingehen? zunächst mal das Gebäudemodernisierungsgesetz ist ja das bisherige Gebäudeenergiegesetz. Es wird auch weiterhin ein Gesetz geben, auch wenn es immer heißt, das Heizungsgesetz wird abgeschafft. Ein Heizungsgesetz hat es nie gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben. Aber der Bereich der Wärmewende war natürlich ein wichtiger Teil. Und das, was in den Eckpunkten, die gestern vorgelegt wurden, als ein zentrales Element entschieden wurde in der Koalition, war, dass man diese sogenannte 65-Prozent-Regel abschafft. Das heißt, 65 Prozent Erneuerbare Energien sollten Heizung haben, nutzen bei der Wärme. Es ist aber so, dass es viele Erfüllungsoptionen gab. Also das war auch nie so in Stein gemeistert, dass nur das geht. Da wurde ja dem Gesetz immer vorgeworfen, man kann nur noch eine Wärmepumpe bauen. Das stimmt aber nicht. Nichtsdestotrotz, das ist jetzt weggenommen worden. Die Koalition sagt auch, man kann wieder Ölheizung bauen, man kann wieder Gasheizung bauen. soll stattdessen eine Grünkvote kommen. Das heißt eine Verpflichtung einen gewissen Anteil an grünen Energien bei der Verbrennerwärme zu nutzen. Das klingt erst mal positiv und so, als ob man dort jetzt ein Vehikel geschaffen hat, mit dem man vielleicht doch die Ziele erreichen kann der Klimawende. Das ist aber höchst fraglich, ob das so ist, denn Wir wissen alle, dass Wasserstoffhochlauf aktuell nicht funktioniert. Auch der Bereich der grünen Gase oder der Green Liquids wächst nicht so, wie man das braucht. Und eigentlich sagt die Industrie, alles was kommt, brauchen wir und kann man nicht in den Bereich der Gebäudebeheizung nutzen. Sodass es sehr wahrscheinlich ist, dass es zu wenig geben wird und dass das knappe Gut teuer wird. Das heißt, die Menschen, jetzt überlegen,

Max Herrmannsdörfer: nutze doch nochmal meine Verbrennerheizung, werden vielleicht in 2030, wenn dann diese Grünquoten kontrolliert werden, feststellen, das hat nicht geklappt und ich muss jetzt eine erneuerte Heizung doch wieder tauschen. Das, obwohl wir eigentlich längsten Wärmepumpenhochlauf hatten. Ihr kennt ja die Zahlen, wir hatten 300.000 Wärmerzeuger Wärmepumpe im letzten Jahr. Das heißt, wir schaffen jetzt Verunsicherung, wir verschieben Lasten in die Zukunft. weil möglicherweise die nächste Generation doch wieder anders investieren müssen. Und was uns ganz wichtig ist, deutlich zu machen, wir setzen nicht auf die Zukunftsfelder. Wir verpennen auf gut Deutsch gesagt die richtigen Investitionsfelder und erneuern die Infrastruktur nicht. Wo kennen wir diese Debatte her? Straßen, Brücken, Schulen, Sozialversicherungssysteme nicht erneuert. Das heißt, wenn wir hier zu zaghaft sind, setzen wir nicht auf Zukunft und das setzt... keine Impulse aus unserer Sicht in die richtige Richtung. Alexander, ich habe gestern interessanterweise ein Interview mit Anja Flötenmaier-Woldmann gehabt. weiß nicht, ob du sie kennst. Energieexpertin macht gerade ganz viele Vorträge, wenn es ums Thema Wärmepumpe geht. Arbeitet mit Kommunen zusammen, mit Herstellern, mit Fachhandwerk. Ich möchte das Gespräch auch gar nicht zu stark auf das Gebäude Modernisierungs- oder GEG-Gesetz ausrichten und nicht auf die Wärmepumpe. Aber trotzdem Weil du das jetzt auch gesagt hast, dass die Politik die Probleme jetzt mehr oder weniger verlagert und sich jetzt eine klare Aussage irgendwie drückt. Und das hat sie ganz ähnlich formuliert. Sie hat sogar gesagt, die Politik wäre jetzt feige, wenn sie die Wärmepumpe da eher wieder bisschen außen vor lassen bzw. wieder verstärkt auf Öl oder Gas setzen. Oder zumindest die Message raussenden, es ist okay, wenn ihr euch Öl oder Gas einbaut, weil es auf lange Sicht einfach nicht zukunftsfähig ist. Das nur noch mal als Ergänzung zu dem, was du jetzt eben gesagt hast. Treffe ich das einigermaßen? Ja, also ich kann das so voll unterschreiben. Man muss natürlich sich ein kleines bisschen die Historie anschauen. In der letzten Legislaturperiode ist das Thema Heizungsgesetz unglaublich emotional geführt worden. Und es ist eigentlich der Bundesregierung der damaligen vorgeworfen worden, ideologisch zu handeln.

Max Herrmannsdörfer: Es ist aber aus unserer Sicht umgekehrt ideologisch gewesen und da ist unglaublich mit Emotionen gespielt worden, auch der Bevölkerung. Da haben wir Dinge gehört wie Atombombe im Heizungskeller und solche Sachen, die natürlich auch bei den Menschen Verunsicherung herbeigeführt haben. Und das sind letztlich populistische Vorgehensweisen, die auch wieder von Populisten genutzt werden. Und jetzt war die jetzige Regierung unter Zugzwang dieses Heizungsgesetz, das es gar nicht gibt, abzuschaffen, weil man das versprochen hatte. Und man hat jetzt tatsächlich auch aus meiner Sicht nicht den Mut gehabt zu sagen, es gibt mittlerweile eine gute Entwicklung. Wir wissen, dass wir was versprochen haben, aber es ist doch besser weiterzumachen. Es ist besser für euch alle weiterzumachen, weil wir damit für euch in der Zukunft viele Kosten sparen. wirtschaftlich auf Zukunft setzen und im Prinzip auch effiziente Systeme unterstützen. Vielleicht hätte man noch mal paar Lösungen gefunden, mehr Erfüllungsoptionen zu haben für Leute, die sagen, bei mir geht das wirklich nicht im Gebäude. Da hätte man sicher Lösungen finden können, aber jetzt das Signal zu setzen, es geht wieder eine Öl- und Gasheizung und damit bei einem CO2-Preis, das ist ja auch das Versprechen gewesen. Wir nehmen alle Verbote weg und führen dafür einen Markt ein mit einem CO2-Preis. Das bedeutet aber, dass die Anteil an nicht Erneuerbaren, der wird teurer werden. Das muss man den Menschen einfach klar sagen. Man kann sagen, ich gebe dir die Freiheit, eine Gas- oder Höhleheizung einzubauen, aber stell dich darauf ein, das wird teuer. Und den Mut hat man auch nicht, den Menschen das so klar zu sagen. Stattdessen spricht man jetzt von einer neuen Freiheit. die sich möglicherweise ins Gegenteil verkehren kann in ein paar Jahren. Das sind ja einige politische Themen. Jetzt haben wir auch schon gemerkt, dass verschiedene Verbände versuchen, Gehör zu finden. Auch dass sich Verbände durchaus zusammenschließen in einem Statement. Für mich als Außenstehender oder als jemand aus der Medienbranche, findet ihr da überhaupt Gehör? Weil irgendwie sind die Entscheidungen in letzter Zeit irgendwie

Max Herrmannsdörfer: fernab von industriellen und handwerklichen Zusammenhängen getroffen. So könnte man es vermuten. Wie siehst du das? Hört da irgendeiner auf euch? Ja, also ich glaube, man hört durchaus, was wir sagen. Und wenn wir ehrlich sind, sind diese Argumente ja auch alle offen verfügbar, nachlesbar und ich glaube, den handelnden Personen auch bekannt. Man muss wirklich sagen, es ist politisch jetzt gewollt, dass dieser Umstieg so funktioniert. Und ich glaube, dass wir, wenn das jetzt so entschieden wird, wir haben natürlich jetzt noch mal die Möglichkeit im parlamentarischen Verfahren auch dran zu arbeiten. Wir wissen auch, dass nicht alle Bundestagsabgeordneten, der jetzigen Bundesregierung, den Parteien zugehörig, nicht glücklich damit sind, was da entschieden wurde. Das heißt, da gibt es noch mal Möglichkeiten, zu arbeiten. Wir kennen den Satz von Franz Müntefering, kein Gesetz, verlässt den Bundestag so, wie es mal reingekommen ist. Wir hoffen, dass wir da noch was erreichen. Wir werden aber in Zukunft viel mehr Aufklärung leisten müssen, auch als Verbände und sagen, das eine ist die gesetzliche Lage, was du machen kannst, das andere ist das, was du tun solltest. Und da werden die Handwerker wieder gefragt sein, auch zu beraten. Also ich sehe auch hier letztlich wieder eine Chance, auch mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. und ihnen sinnvolle Optionen aufzuzeigen. Das ist genau das Thema tatsächlich. Sicherheit vermitteln, nicht nur von politischer Ebene oder von Verbands-Ebene, sondern dann eben auch ganz klar aus der Handwerkssicht. jetzt kommen wir schon eher zum Abschluss unseres heutigen Interviews und zu heutigen Folge. Welche Schlüsse kann man jetzt aus dieser Konjunkturumfrage ziehen? Und wir schauen uns das mal zuerst aus Verbands-Sicht an. Welche Schlüsse zieht denn ihr als ZVEH? jetzt aus dieser Konjunktur im Frage heraus? Ja, da ist für mich in allererster Linie zu sagen, dass wir, glaube ich, weitermachen müssen mit den Botschaften, die wir senden, auf Zukunft zu setzen. Das ist das, was wir in den nächsten Wochen und Monaten weiter versuchen werden zu tun, weil tatsächlich, glaube ich, es darum gehen wird, sagen die negativen Effekte, die wir jetzt durch

Max Herrmannsdörfer: gesetzliche Änderungen haben, abzufedern und die Lage auch nicht noch schlimmer werden zu lassen, als sie ohnehin ist. Da werden wir als Verband ganz stark dran arbeiten. Ich glaube, ganz wichtiges Thema, was wir auch im Blick haben müssen, das werden wir auch auf der Messe Leiden Building in zwei Wochen nochmal ganz stark zeigen. Es gibt ja neben diesen politischen Fragen auch eine Transformation im Handwerk, die ohnehin stattfindet. Ganz viele Digitalisierungsthemen, technisch spannende Fragen rund das Thema Energiemanagement. Das heißt, dadurch, dass jetzt die Politik uns Stein in den Weg legt, bedeutet das ja nicht, dass wir nicht selber auch handlungsfähig bleiben und Dinge tun können. Wir werden versuchen, uns den Optimismus zu erhalten und auf diese Zukunfts- und Boomfelder hinzuweisen. Das ist auch die Schlussfolgerung aus der Konjunktur. Nicht Kire machen lassen, sondern weiter arbeiten. Wenn wir das Ganze jetzt auf die Betriebe noch beziehen, was hast du für einen Tipp an die Handwerksbetriebe aus den Elektrohandwerken, aus dem Elektrobereich? Wie können die sich jetzt aufstellen? Wir hatten das Thema, dass Beratung wahrscheinlich noch relevanter wird, auch in der Kundenansprache. Hast du noch weitere Tipps, noch weitere Aussagen, die du euren Mitgliedsbetrieben vermitteln möchtest? Ja, also zunächst mal muss ich sagen, dass natürlich, wenn sich die Lage eintrübt, und kleiner Betrieb sieht, dass es schwieriger wird. Wir absolut auch Verständnis dafür haben, dass zum Teil dann Unternehmen auch sagen, ich muss jetzt schauen, wo ich bleibe. Ich muss meine Geschäftsfelder so sortieren, dass ich in den jetzigen Rahmenbedingungen zurechtkomme. Und grundsätzlich aber glaube ich, dass es richtig ist, an den Zukunftsthemen dran zu bleiben. Wir haben einen neuen Beruf geschaffen, den Gebäudesystemintegrator, der genau diese Vernetzungsthemen bringen soll. Das ist so ein Beruf, von dem viele sagen, naja, da geht es nur High-End- Gebäudeautomatisierung. Das ist aber gar nicht der Fall. Also wir wollen Mut machen, sich mit solchen Themen zu beschäftigen, vielleicht mal zu prüfen, ob auch in einem eigenen Unternehmen so jemand ausgebildet werden kann, der in der Lage ist, einen dabei, den Unternehmensinhaber vielleicht dabei zu unterstützen.

Max Herrmannsdörfer: mehr Vernetzungsfragen zu machen, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Weil wir glauben fest dran, dass die Technologien, die wir im Portfolio haben, also das Thema Energiemanagement, die Erneuerbaren, das Thema Elektromobilität eigentlich kommen werden. Und darauf weiterzusetzen, halten wir für richtig und da wollen wir gerne den Betrieben Mut machen. Das ist auch das, was Mut macht, wahrscheinlich, dass diese Themen einfach in Zukunft wahnsinnig wichtig werden und dass man an den Themen, die das Elektrohandwerk bespielt, gar nicht vorbeikommen wird. So ist es. Das sehen wir ganz genau so und das sehen auch unsere Unternehmer so. Und auch dieses Zeichen werden wir natürlich versuchen, auch auf der Light and Building zu senden, mit ganz vielen neuen Elementen bei uns auf dem Wettzustand, wo wir zeigen, wie Digitalisierung geht, wie Zukunftsthemen gehen, wie Ausbildung gehen kann. Vielleicht an dieser Stelle dann der kurze Hinweis. Ihr seid in Halle 11 bei der Light and Building zu finden und da kann man bei euch einfach mal vorbeischauen, auch wenn man direkte Fragen hat, da seid ihr ansprechbar für die Fachhandwerker, die in Frankfurt vor Ort sein werden. Genau, wir sind in der Halle 11 wieder gleich vorne am Eingang und wir werden das Geh-Haus wieder da haben mit ganz vielen Neuerungen. Aber es wird bei uns quasi so eine kleine Eventfläche auf dem Stand geben mit Mitmachaktionen zum Thema Digitalisierung. Wir werden erste KI-Anwendungen zeigen. Wir werden live zeigen, wie Auszubildende des E-House nachprogrammieren. es wird ganz viele Dinge geben, wo man mal reinschauen kann und sich auch gerne beraten lassen kann oder auch gerne seine Meinung bei uns abgeben kann. Wir freuen uns darauf, dass man uns besucht. Wir freuen uns genauso. Wir wünschen euch eine erfolgreiche Messe aus ZV-EH Sicht. Wir sind vor Ort mit WhatsApp und dem Handwerker Radio. Also wir werden uns irgendwo über den Weg laufen. Für jetzt sagen wir, Sascha und ich ganz herzlichen Dank an dich, Alexander. dass du uns über die Konjunkturumfrage berichtet hast und uns erzählt hast, wo der Schuh aktuell drückt und was man tun kann, damit es vielleicht im Herbst ein bisschen besser aussieht. Herzlichen Dank Alexander, alles Gute dir und bis bald. Vielen Dank Max und Sascha und bis bald. Ich freue mich auf unser nächsten Podcast. Danke, bis dann. Tschüss. Das war's mit der E-Show. Dir hat diese Folge gefallen? Dann abonniere diesen Podcast, keine Folge mehr zu verpassen.

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